Erfahrungsbericht Woche 4

Hier finden Sie einen Erfahrungsbericht zum bewussten "Digital-Sein"

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»Hallo, ich bin Claas. Ich kandidiere für den Bundestag und mein Handy ist immer stumm. Aber geht das denn? Muss ich nicht gerade als Kandidat immer erreichbar sein?

Mein Handy klingelt nicht und vibriert nicht. Meine E-Mails bekomme ich gar nicht erst aufs Telefon. Natürlich sind täglich Dinge zu besprechen und Leute zu kontaktieren, seien das Zeitungen, Verbände, oder mein Wahlkampfteam. Freie Tage gibt es im Grunde nicht.

Ohne feste Zeiten und Regeln muss ich meinen Freiraum mit mir mitnehmen, wie ein Schneckenhaus. Ich bin kein Schneider und kein Ingenieur. Ich kann weder Kleider nähen noch Brücken bauen. Mein Denken und meine Aufmerksamkeit sind alles was ich habe. Deshalb kann ich mir nicht leisten, dass Dinge ungefragt meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen und Platz in meinem Kopf einnehmen.

Mein Handy ist ein Fenster zu einem Fluss von Informationen, aber es darf nicht einfach auffliegen und auf mich einstürzen. Ich muss selber entscheiden können, wann ich das Fenster öffne. Und so bleiben manche Nachrichten ungelesen, wenn ich spazieren bin, Mails beantworte ich zuhause und wer mich sicher am Telefon erreichen will, muss einen Termin mit mir machen.

Im Impuls zu dieser Woche steht ein Satz von Bernhard von Clairvaux: „Es ist viel klüger, Du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst.“


Ich weiß, unsere Anliegen sind immer sehr dringend und Erreichbarkeit scheint unverzichtbar. Aber wenn der Bundestagskandidat das Handy stumm haben kann, kann es für Dich ja vielleicht auch funktionieren. « 

 

Text Claas Goldenstein